Italienisches Olivenöl oft nur billiges Importöl
Ein Großteil des "original" italienischen Olivenöls ist in Wirklichkeit ein auländisches Billigöl, das gepanscht, gestreckt oder mit Schadstoffen versehen ist, berichtet "Focus Online". Angaben der Zeitung "La Repubblica" zu Folge werde circa 80 Prozent des Olivenöls falsch oder irreführend ausgezeichnet. "Es gibt eine mächtige Gruppe in der Lebensmittel-Industrie, die durch Importe ein illegales Vermögen macht, weil das Mischen des Öls nicht nachzuweisen ist", wird Coldiretti, Verbraucherreferent des Bauernverbandes, von dem Blatt zitiert.
Laut dem Blatt werde das angeblich italienische Olivenöl häufig aus Griechenland, Tunesien, Marokko oder Spanien importiert. Der Einkaufspreis betrage dabei häufig weniger als 25 Cent à Liter. Dann soll das Produkt weiterverarbeitet und teilweise mit italienischen Ölen gepanscht worden sein. Anschließend wurden die Öle mit "Olivenöl aus Italien" deklariert und für 3 bis 4 Euro pro Liter verkauft. Die Lebensmittel-Mafia soll durch diese Methoden den Angaben des Blattes zufolge jährlich 5 Milliarden Euro umgesetzt haben.
Laut der "Repubblica" vernachlässigen die Firmen die notwendigen Angaben, dass die Öle aus mehreren Sorten zusammengemischt wurden. Gebe es doch einen Hinweis, so sei dieser häufig so klein aufgedruckt, dass man ihn nicht auf dem Etikett entdecken kann. Neben dem Betrug komme es bei der Herstellung der Öle aber auch zu Produkten mit schlechter Qualität. In manchen Produkten müsse gar mit Spuren von Schmierstoffen oder Schimmel zu rechnen sein.
Die angeblich beteiligten Unternehmen wurden bislang nicht genannt. "Repubblica" wolle dadurch die noch laufenden Ermittlungen nicht behindern, heißt es. Im Rahmen der Untersuchungen seien auch ausländische Exporteure und Produzenten in das Visier der Ermittler geraten.
Erst Anfang Dezember erschütterte ein Etikettenschwindel im großen Stil die italienische Lebensmittelindustrie. Damals seien mehrere Verdächtige verhaftet worden, da sie mutmaßlich über mehrere Jahre hinweg Bio-Lebensmittel gefälscht oder falsch ausgezeichnet hatten. Die Beamten beschlagnahmten eigenen Angaben zufolge über 2.500 Tonnen gefälschte Produkte wie Mehl, Trockenfrüchte und Sojaprodukte. In den vergangenen Jahren soll die Lebensmittel-Mafia so über 700.000 Tonnen falsche Bio-Produkte in zahlreiche europäische Länder - auch nach Deutschland - exportiert und verkauft haben.
Der Gesamtwert der Ware soll etwa 220 Millionen Euro betragen haben.
Das Fälschernetzwerk hatte die Produkte mittels falscher Dokumente als Bio-Produkte deklariert und anschließend zu deutlich höheren Preisen über ein Netz von Großhändlern nach Deutschland, die Niederlande, Frankreich und viele anderen EU-Länder verkauft. Neben den Chefs der Lebensmittelkonzerne Sunny Land, Sona und Bioecoitalia wurde auch der Direktor der Zertifizierungsstelle der italienischen Region Marken verhaftet. Insgesamt sollen 30 Firmen in den Lebensmittel-Skandal verwickelt sein.
Über den Autor
Sebastian ist Chef-Redakteur von Yazio.de. Er ist mit allen Formen gesunder Ernährung bestens vertraut.


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