Die Lebensmittelampel ist als Folge der häufigen Fehlernährung in der Bevölkerung zu sehen. Parteien und Einrichtungen verschiedener europäischer Länder fordern schon lange die Einführung einer einheitlichen und verständlichen Kennzeichnung auf allen Lebensmittelverpackungen. In Deutschland gehört Sven-David Müller, Diätassistent und Buchautor, zu den Verfechtern der Kalorien- und Nährwertampel. Seit mehr als 10 Jahren kämpft er für die Einführung.
Die Lebensmittelampel - so funktioniert sie

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Die Lebensmittelampel - von Verbrauchern gewünscht, von Politikern in Deutschland und in der EU verschmäht. Dabei wäre alles so einfach: Auf jedes Produkt in der Kaufhalle aufgedruckt, ließe sich schnell und einfach auf einem Blick ablesen, wie viel Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz in den Lebensmitteln stecken.
Wie die Ampel im Straßenverkehr ist auch die Lebensmittelampel kinderleicht zu verstehen. Die Farbe Rot, für "Achtung! Stehenbleiben!", steht für einen hohen Gehalt des jeweiligen Nährstoffes. Das Lebensmittel ist also alles andere als gesund für Dich. Die Farbe Gelb, für "Anhalten!", steht für einen mittleren Gehalt. Das Lebensmittel ist also weder besonders gut, noch aber besonders schlecht für dich. Die Farbe Grün, für "Losfahren!", steht für einen geringen Gehalt von Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker oder Salz. Das Produkt kannst Du also ohne Bedenken essen. Die Farben selbst werden anhand der Nährstoffdichte in dem jeweiligen Produkt verteilt.
Klingt total einfach, oder? Ist es auch! In vielen Ländern ist die Lebensmittelampel bereits erprobt. So wurde das Ampelsystem bereits vor einigen Jahren erfolgreich in den USA und in Großbritannien eingeführt. Auch in der Schweiz wurde die Lebensmittelampel bereits beschlossen. Nur in Deutschland und auf der Ebene der Europäischen Union wird noch kräftig über die Ampel diskutiert. Und das, obwohl sich mehr als zwei Drittel der deutschen Bürger über eine Lebensmittelampel auf allen Produkten freuen würden. Auch Wissenschaftler haben bereits bestätigt, dass die Nährwertampel ein signifikant verständlicheres System zur Nährwertkennzeichnung sei, als etwa das umständliche GDA-System. Neben der Lebensmittelampel gibt es übrigens auch noch andere Ampelsysteme, wie etwa die Diabetesampel, die Vitaminampel sowie eine Cholesterin- und Fettampel. Sie funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie die Nährwertampel.
Die Lebensmittelampel hat bereits viele Unterstützer. Allem voran die Verbraucherschützer von foodwatch e.V., die sich aktiv für eine internationale Einführung der Kalorienampel einsetzen. Daneben setzen sich auch die Verbraucherzentrale Hamburg, der AOK-Bundesverband und der Tiefkühlmittelhersteller Frosta für eine einheitliche Ampelkennzeichnung ein. Auch Sven-David Müller, erster Vorsitzender des Deutschen Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik, spricht sich für die Kennzeichnung aus: "Die Lebensmittelampel ist eine der wenigen etablierten Möglichkeiten, eine gesunde Ernährungsweise zu visualisieren. Aus meiner Sicht als Nahrungswissenschaftler, Diätassistent und Diabetesberater kann ich nur dringend empfehlen, Lebensmittelampeln verbindlich auf allen Lebensmitteln und Speisen einzuführen."
Derzeit scheint die Nährwertampel aber vom Tisch zu sein. Die neue Koalition aus Union und FDP haben sich in ihren Verhandlungen darauf geeinigt, keine Kennzeichnung in Ampelfarben für Lebensmittel einzuführen. Eine Arbeitsgruppe der beiden Parteien hat aber vorgeschlagen, stattdessen den Fett-, Zucker- und Salzgehalt sowie die Kalorienanzahl als Anteil der täglich benötigten Menge anzugeben. Eine farbliche Unterlegung dürfte es hier aber nicht geben. Die eigentliche Idee der Lebensmittelampel geht damit also völlig unter, nämlich auf den ersten Blick zu sehen, ob sich ein Light-Produkt als Zuckerbombe oder das leckere Wellness-Essen als riesiger Fettlieferant entpuppt. Das findet auch Diätassistent und Buchautor Müller schade: "Die verbildliche Einführung der Kalorienampel für alle Lebensmittel in Deutschland wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Ich bin für die Lebensmittel-Ampel und setze mich als Medizinjournalist und Gesundheitspublizist seit mehr als 10 Jahren für die Einführung ein. Wir müssen der Lebensmittelindustrie trotzen, um mehr für die Gesundheitsförderung tun zu können", so Müller.
Martin Rücker, Leiter Presse- & Öffentlichkeitsarbeit beim foodwatch e.V., fügt hinzu: "Über die Ampel wird in Europa entschieden. Derzeit ist eine EU-Verordnung geplant, nach der es den EU-Staaten sogar auf nationaler Ebene verboten wäre, die Ampelkennzeichnung einzuführen. Wir brauchen hier dringend eine Öffnungsklausel in der Verordnung, die zumindest solche nationalen Spielräume lässt." Rücker verweist auf eine große Mitmach-Aktion: "Das gesellschaftliche Bündnis für die Ampel ist riesig. Bei unserer Online-Mitmachaktion für die Ampelkennzeichnung, die sich direkt an die zuständigen Politiker richtet, haben bereits 42.000 Verbraucher mit gemacht. Ein starkes Signal, das die Politik in Berlin und Brüssel nicht überhören sollte."
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